Mozart100 – Scenic Ultra – Kahunastrong trotz DNF

Servus miteinand!!!

Ich möchte heute meine Sichtweise auf das „Scheitern“ ausdrücken.  Verpacken werde ich das in einem Erlebnisbericht
zum Mozart100 – Scenic Ultra. Einem 62,5 km Trailrennen in Salzburg, bei dem ich am 17.06.2017 an den Start gegangen bin.

Der Mozart100 ist eine der schönsten Veranstaltungen im Laufkalender, die ich persönlich kenne. Das liegt zum einen in der wirklich astreinen Organisation, dem netten und superhilfreichen Kontakt  zu den Veranstaltern – man kann auch wenige Tage vorher per Mail anfragen, was an den Labestationen ausgegeben wird und bekommt prompte und freundliche Rückmeldung (Danke Claudia) – und nicht zuletzt an der umwerfenden Salzburger Landschaft…

Folgende Distanzen wollen bezwungen werden (vom Veranstalter übernommen):

EINZELBEWERBE

Die Einzelbewerbe werden jeweils getrennt nach dem Geschlecht und in Altersgruppen gewertet. Für alle Bewerbe gibt es auch eine Nordic Walking Wertung.

mozart 100

Der 105 km lange Scenic 100 verläuft in einer 8er Runde von der Stadt Salzburg nach Fuschl am See, über die Wolfgangsee-Region (Schafberg, Zwölferhorn) und den Fuschlsee wieder zurück nach Salzburg.

Scenic Ultra

Beim 62 km langen Einzelbewerb wird eine Runde vom Residenzplatz in Salzburg nach Fuschl am See und wieder zurück gelaufen.

Scenic Marathon

Beim 42 km langen Einzelbewerb wird eine Runde vom Residenzplatz in Salzburg nach Hof bei Salzburg und wieder zurück gelaufen.

Scenic Light

Der Scenic Light führt die Läufer und Nordic Walker über 30 Kilometer von Fuschl am See in die Mozartstadt.

City Trail

Der City Trail ist eine abwechslungsreiche Strecke über 12,5 km durch die Stadt Salzburg und kombiniert eine kompakte Distanz mit einer anspruchsvollen Überquerung des städtischen Kapuzinerbergs.

STRECKE

Zudem kann man auch noch als Team an den Start gehen.

Warum macht man sowas?

Das kann ich pauschal nicht für die gesamte Menschheit beantworten, auch nicht für die 170 Starter, die neben mir aufgelaufen sind. Weil man es kann? Weil man es glaubt zu können? Um sich etwas zu beweisen? Um es den anderen zu beweisen? Ich weis es schlichtweg nicht. Die Beweggründe hierfür fallen für jeden anders aus, definieren aber die Rahmenbedingungen für das Rennen und bestimmen die Gefühlslage im Falle eines Ausscheidens. Dem gefürchteten DNF (englisch für did not finish).
Ich mache es zum Teil aus dem egoistischem Antrieb heraus etwas zu erleben. Teilweise mag auch eine masochistische Ader tief verborgen liegen, welche von Zeit zu Zeit danach giert, laktathaltiges Blut durch den Köper zu pumpen. Grundsätzlich macht mir das Laufen aber einfach einen Mordsspaß! Trailruns sind außerdem eine tolle Abwechslung zu Hindernisläufen…

Schwierige Voraussetzungen – schlechte Vorbereitung

Die Vorbereitung für so ein herausforderndes Ausdauerevent fällt in der Regel recht umfangreich aus. Mehrere Monate zielgerichtetes Training wollen geplant und durchgeführt werden. Begonnen Grundlagentraining, welches im Umfang immer weiter gesteigert wird um im weiteren Verlauf mit Intervalltraining, Tempoläufen etc. angereichert wird. Ich will nicht weiter ins Detail gehen. Es macht sowieso jeder anders.

Nur zu meiner Vorbereitung will ich ein kurzes Wort verlieren. Kurz trifft den Nagel auf den Kopf. Geplant war eine Fernwanderung über Ostern. Den gesamten Altmühl Panoramaweg wollte ich als Selbstverpfleger in 8 Tagen bezwingen. Das wäre schon mal eine schöne Grundlage gewesen. 220 – 260 km in 8 Tagen. Leider habe ich mir bereits am zweiten Tag die Außenbänder im linken Sprunggelenk gerissen – wieder mal. Was war passiert? Ich bin unaufmerksam gewesen, in ein Loch getreten und umgeknickt. Auf dem Rücken hatte ich ein Zusatzgewicht von 17kg in Form meines Rucksacks. Bereits während des Umknickens wird einem schlagartig bewusst, dass die Reise hier zu Ende ist. Das Reißen der Bänder kann man fühlen und hören. Zumindest wenn man darin so gut geschult ist, wie ich. Als Wiederholungstäter sind die Behandlungsmethoden auch für einen medizinischen Laien bekannt.
RICE = R(est) I(ce) C(ompression) E(levation) oder auf deutsch: Ruhe, Kühlen, Bandagieren und Hochlegen. Wenn Du aber alleine in der Pampa bist, dann kannst Du dir diese Weisheit in die Haare schmieren. Nach kurzem Moment des Selbstmitleids habe ich mich also wieder aufgesetzt und bin in die Zivilisation gewandert. Das Gelenkt schwillt dabei an und stabilisiert sich so von selbst. Von zu viel Pause wird neuerdings sowieso abgeraten. Bei moderater Bewegung heilt so eine Verletzung bewiesenermaßen schneller und besser ab. Bei Dollnstein habe ich mein Zelt aufgeschlagen, in der Apotheke Enzyme geordert, meinen Fuß bandagiert und mir vorgestellt, nach zwei Tagen Pause weiter zu wandern. Am nächsten Tag bin ich nach kurzem Realitätscheck mit dick geschwollenem Knöchel mit dem Zug nach Hause gefahren.

Das war also Mitte April. Mit  dem Lauftraining konnte ich dank Tapeverband und meiner täglichen Portion Enzyme bereits nach 10 Tagen wieder beginnen. Am Anfang nur sehr vorsichtig und mit eingeschränktem Bewegungsradius. Begonnen habe ich mit 1 km. Am nächsten Tag 2 km und so weiter. Bis ich 5 km am Stück laufen konnte aber immer nur soweit bis der Schmerzen zu intensiv wurden. Ab Mitte Mai habe ich mit dem intensiven Intervalltraining begonnen und noch drei lange Läufe à 30 km absolviert. Zusätzlich natürlich Krafttraining sowie das sonntägliche Big Kahuna Outdoor Workout.

Das wars auch schon an Vorbereitung. Fahrlässig wenig aber was willst machen, wenn die Scheiße bergauf läuft?

Das Rennen (Start) – voll verlaufen

Zum Thema „Scheiße bergauf“ kann ich noch einen raushaun. Ich nenn das Kind gleich mal beim Namen. Durchfall. Den hatte ich bereits vor dem Rennen. Ein Zeichen der Angst? Der „Startschuss“ ertönt pünktlich um 09:00 Uhr. Das kann ich in der öffentlichen Toilette  am Mozartplatz deutlich hören. Als ich mich frisch gemacht habe, bin ich alleine an der Startlinie. Blöd war auch, dass der Startbereich bereits wieder geschlossen war, so dass ich mich erst ein bissl doof angestellt habe, über diverse Gitter steigen musste um dann als wirklich letzter auf die Strecke zu gehen. Aber alles halb so wild. Zu gewinnen gibt’s für mich sowieso nichts. Zu verlieren allerdings auch nicht. Eingangs habe ich ja schon gefragt warum man so was macht und dass die Zielsetzung auch die Stimmung beeinflusst. Ich bin mit dem Ziel, einen Ultramarathon zu laufen (mehr als 42,195 km) angereist. Mit einer Pace von rund 07:00 – 07:30 min/km wollte ich laufen, meinen Spaß dabei haben und vielleicht sogar ins Ziel kommen. Also ist es auch vollkommen wurscht ob ich als erster loslaufe oder als letzter.
Was allerdings nicht vollkommen wurscht ist, ob man rechts oder links abbiegt. Trotz GPS Uhr mit gespeicherter Strecke, habe ich es geschafft schon zu Beginn eine falsche Richtung einzuschlagen. Schließlich hatte ich keine Läufer vor mir an denen ich mich hätte orientieren können. Und weil Start = Ziel konnte ich auf meine Uhr auch nicht ablesen in welche Richtung der Kurs geht… schön dumm gelaufen.

Ich bin also links abgebogen, den Rudolfskai entlang bis ich an der Brücke darauf hingewiesen wurde, dass ich wohl falsch bin. Also Kommando zurück und nach 1,25 km bin ich wieder in der Nähe des Starts. Diesmal laufe ich richtig und tada, hier sind auch Markierungen welche die Strecke weisen. Also Augen auf!

Die Strecke

Der Lauf beginnt auf einer kurzen Asphaltstrecke durch das malerische Salzburg. Nach wenigen Kilometern erreicht man die Heilbrunner Alle. Hier kann man sich tolle Villen ansehen und ganz nebenbei habe ich die ersten Läufer / Walker erreicht und auch gleich überholt.

Was dann kommt ist Naturkitsch, wie er schöner nicht sein könnte. Berge, Berge, Berge. Bergseen. Kühe auf der Weide.
Es wäre ein Ausflug reinsten Genusses, wenn es nicht permanent bergauf und bergab ginge. Über die Gesamte Distanz von 62,5 km sind 2.211 Höhenmeter zu überwinden. Das sind auf dem Papier schon anspruchsvolle Zahlen. Aber erst in der Realität macht sich das Ausmaß bemerkbar. Es ist ein ständiges Hin und Her zwischen überschwänglicher Freude über das Naturerlebnis und der wiederkehrenden Frage an mich selbst: „Warum zum Teufel tue ich mir das an?“ Doch auch in den Momenten der größten Anstrengung weiß ich, dass ich mich glücklich schätzen kann, mich einer solchen Strapaze aussetzen zu können.

Etwa im 10 km Takt kommt man an eine Labestation. Dort wird man bestens verpflegt. Man hat die Wahl zwischen belegten Broten, Salzgebäck, Kuchen, Energyriegeln, Obst, Tomaten mit Salz, Cola, Wasser, Isogetränk usw. Nebenbei wird sich ausgetauscht und die freundlichen Helfer wünschen noch viel Spaß und Erfolg. Man kommt sich vor wie ein Teil einer großen Sportfamilie.

Meine persönlichen Highlights sind die Glasenbachklamm, der Plötzwasserfall und der Fuschlsee. Zwar ist die Umrundung des Sees wenig spektakulär, was die Strecke betrifft, der See aber umso mehr. Dieses türkisfarbene Wasser erinnert an die Karibik und entschädigt für die Strapazen.

Ich hätte gerne mehr Bilder gemacht aber ich wollte nicht ständig stehen bleiben und mein Handy aus dem Rucksack zaubern…

DNF

Trotz allen Bemühungen, der Schönheit der Natur, der perfekten Organisation und den zahlreichen Helfern stand am Ende ein DNF. Nach 7:19 h, 1359 HM und 46 KM war Schluss für mich. Mein Sprunggelenk tat weh und der Durchfall (der während des Rennens nur für Magenbrodeln gesorgt hat) hat mir den Rest gegeben. Ich konnte nichts mehr Trinken, mir war schlecht und ins Ziel hätte ich es wohl nur humpelnd geschafft. Ich hatte aber die Sorge, dadurch dauerhaften, körperlichen Schaden zu nehmen. Mit meiner Leistung war ich ohnehin zufrieden. Unter der Voraussetzung einer anderen Zielstellung wäre ich vielleicht enttäuscht gewesen. Einen Ultramarathon bin ich an diesem Tag gelaufen und ausnahmsweise hab ich sogar auf mich aufgepasst. Mehr war einfach nicht für mich drin. DNF steht in diesem Zusammenhang aus meiner Sicht nicht mehr für Scheitern sondern vielmehr bin ich innerlich gewachsen. Ich habe mein Ego besiegt indem ich das Rennen beendet habe ohne eine Linie zu überschreiten, deren Konsequenz vielleicht eine langwierige Verletzung gewesen wäre. Ich habe mich damit abgefunden, es zum erstem Mal nicht ins Ziel geschafft zu haben.Heute, drei Tage nach dem Rennen, warte ich noch immer auf einen Muskelkater aber da kommt einfach nix 🙂 Ich bin fit und bereit, wieder ins Training einzusteigen. Ich freue mich bereits auf meinen Start im nächsten Jahr. Wenn keine Verletzung dazwischenkommt werde ich mir meine Medaille und mein Finisherfoto abholen. Dabei werde ich mein breitestes Grinsen aufsetzen und mich freuen wie ein Schnitzel 🙂

Stay Kahunastrong!

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