Mozart 100 Ultratrail – Ein Erlebnisbericht

Am 19.06.2016 war es soweit. Meine erste Teilnahme an einem „Ultratrailfestival“, dem Mozart 100. Geplant war es, dies mit einem Kurzurlaub im wunderschönen Salzburg zu verbinden. Darauf haben wir uns schon gefreut aber erstens kommt es anders und… so weiter. Am Donnerstag hat mein Chrysler Van auf dem Weg nach Sauerlach schlapp gemacht. Kühlwasserverlust – Motor heiß geworden. Na super, also ab in die Werkstatt. Das Ergebnis steht noch aus, wird aber – typisch Chrysler – sicherlich nicht billig. Unseren Urlaub mussten wir also canceln, kleine Bulldoggen fahren nicht gerne Bahn und die Bahn mag keine kleinen Bulldoggen die nicht gerne Bahn fahren…

Somit stehen meine Minimalziele fest: Nicht letzter werden und den Zug um 19:09 pünktlich zu erreichen. Bei einer Rennzeit von 4:00 h würde also ausreichend Zeit für eine Finisher-Halbe bleiben.

Vorbereitung

Speziell trainiert habe ich jetzt nicht extra. Letze Woche noch einen „langen“ Lauf im Köschinger Forst mit 17 km. Ansonsten wie immer drei Laufeinheiten die Woche + Krafttraining (TRX, Kniebeugen etc.) sowie Sonntags mein Outdoor Workout, zu dem ich jeden herzlich einlade.

Da ich ohne Auto war musste ich mich also um ein Transportmittel bemühen. Für schlanke 58.- Euro mit der Bahn hin und zurück. Das ist unschlagbar und deswegen habe ich sofort zugeschlagen. Manko? Der Shuttle von Salzburg zum Startpunkt in Fuchs am See fährt pünktlich um 12:20 ab. Die geplante Ankunftszeit am Bahnhof Salzburg ist 11:41. Bleiben also 40 Minuten um vom Bahnhof zum Residenzplatz zu kommen, die Startunterlagen abzuholen, schnell umziehen und schnell zum Shuttle zu laufen. Knapp aber bestimmt machbar. Die Heimfahrt wird um 19:09 angetreten. Somit stehen meine Minimalziele fest: Nicht letzter werden und den Zug um 19:09 pünktlich erreichen. Bei einer Rennzeit von 4:00 h würde also ausreichend Zeit für eine Finisher-Halbe bleiben. Nur würde ich dann wohl als letzter ins Ziel kommen und Minimalziel 1 verpassen.

Ich habe mir fest vorgenommen am Abend vorher alles in meinen Rucksack zu packen, damit ich auch nichts vergesse. Also noch schnell meine Sportklamotten in die Wäsche und den Rest schon mal rauslegen.
Ausrüstung:

  • Wichtig: Asthmaspray
  • Schuhe (Salomon Speedcross 4)
  • kurze Hose
  • Muscleshirt
  • Handtuch
  • Haarband
  • Trinkrucksack (Kalenji, saugeiles Preis-Leistungsverhältnis)
  • Energy-Gels (High5)
  • Salztabletten, Aminos etc.
  • Sonnenbrille
  • Kompressionssocken
  • Startnummernband

Nachdem die Wäsche erst spät am Abend fertig geworden ist, habe ich mir fest vorgenommen am Samstag nach dem Frühstück direkt alles zu packen… Kacke war’s. Im Zug habe ich festgestellt, dass ich wieder mal die Hälfte vergessen habe. Keine Socken eingepackt – schon Scheiße bei mehr als 25 km laufen – Salztabletten vergessen – tödlich bei meinen Krampfneigungen, gut wer sich seine Kräfte einteilt, kommt vielleicht auch ohne aus – keine Energy-Gels… Das wird haarig.

 

Mein Rennen

Meine Teilnahme hat sich auf die Scenic Light Strecke von Fuschl am See bis nach Salzburg beschränkt. Wer sich für die Strecke interessiert, kann sie hier nachsehen. Die von den Veranstaltern bereitgestellten Daten belaufen sich immerhin auf 26,3 km und rund 620 Höhenmeter.

Der Start des Rennens beginnt ruhig und unspektakulär am Residenzplatz in Salzburg. Denn ich habe es geschafft pünktlich in den Shuttle zu steigen, der uns zum eigentlichen Start nach Fuschl bringt. Die Fahrt dahin dauert ca. 45 Minuten. Die Region Salzburg zeigt sich von ihrer besten Seite. Sonnenschein, Berge, Kühe die friedlich auf den Wiesen grasen. Zwischendrin immer wieder die Top Athleten die sich für die 100,3 km Strecke entschieden haben. Da wir teilweise dieselbe Strecke laufen wird schnell klar, dass es kein Kinderspiel wird. Ich genieße aber die Fahrt und mache mir keinen Kopf. Meine Minimalziele sind so niedrig gewählt, dass ich keine Angst haben muss diese auf Grund der harten Strecke zu verfehlen…

Start

Ich bin wirklich gerührt von der Hilfsbereitschaft der anderen Läufer(innen) und hätte wohl aufgeben müssen ohne deren Unterstützung.

Der Startbereich lädt zum Verweilen ein. Idyllisch gelegen am Ufer des Sees in einer grünen Parkanlage. Ein DJ sorgt für Stimmung und Vorfreude. Eine Verpflegungsstation sorgt bei mir für Erleichterung weil ich mich hier mit Gels eindecken kann, die mich über die Strecke bringen sollen.

Startbereich Fuschl am See Quelle: https://www.facebook.com/mozart100Run/photos_stream

Startbereich Fuschl am See
Quelle: https://www.facebook.com/mozart100Run/photos_stream

Pünktlich um 14:00 fällt der Startschuss und die Menge begibt sich auf die Strecke. Heute mache ich alles anders. Ich laufe nicht Vollgas los um mir meine Kräfte einzuteilen. Ich hefte mich an die Fersen einer Läuferin die exakt 6:00 min/km läuft. Die Strecke wird nach ca. 300 m zum Single Trail und schon gehen wir. Denn am Singletrail bestimmt der- oder diejenige vor Dir das Tempo und überholen geht nicht… Nervt mich! Zum Glück ist der Singletrail nicht all zu lange und es geht in den Wald. Die ersten Steigungen werden easy und im Laufschritt genommen. Kurzer Blick auf die Uhr 6:00 min/km, das entspricht 10 km/h und verspricht eine Finisherzeit von unter 3:00 h. Passt, so kann’s weitergehen. Nach 15 Minuten bin ich schön warmgelaufen und überhole, lege mir einen neuen Laufpartner zu. Wir tauschen keine Namen aus, unterhalten uns aber gut und laufen ca. 1,5 Stunden miteinander und überholen fleißig die Läufer vor uns. Unser Tempo ist deutlich schneller als zuvor. Ungefähr eine Minute schneller pro Kilometer. 5:00 min/km entspricht 12 km/h und verspricht eine Zielzeit von unter 2:15 h. Das es so dermaßen gut laufen würde hätte ich mir nicht erträumt. Niemals. Wir überholen spielerisch Läufer um Läufer bis wir zur ersten ernstzunehmenden Steigung kommen. Die nennt sich the Wall. In der Streckenausschreibung ist von maximal 22 Prozent Steigung die Rede. Ob damit the Wall gemeint ist, weiß ich jetzt nicht. Ich kann nur sagen, es ist sausteil und ich konnte auch nicht mehr hochlaufen sondern musste wandern. Das ist aber, wie ich gelernt habe, keine Schande. Ein Trailläufer darf auch mal gehen. Umso länger die Strecke, desto häufiger… Die Oberschenkel brennen wie Feuer, trotzdem kommt mir ein Lächeln über die Lippen. Das fällt auch den Umstehenden auf, die uns anfeuern und begeistert feststellen „jo schaug amoi, der schaud ja eh urfrisch os…“ was für mich so viel heißt wie, Du bist ein geiler Typ, so schnell und so frisch, wie du das nur immer machst 🙂

Also laufe ich schneller, schließlich bin ich noch urfrisch und wenn es so weitergeht komme ich in 2:30h ins Ziel…Yeah… Plötzlich wird es laut, saulaut. Was ist das? Der Wind? Es heult und pfeift und was weiß ich. Komisch… Als ich dann aber um die nächste Kurve gelaufen bin stelle ich fest, dass unsere nette Tour direkt am Salzburgring vorbei geht und gerade ein Rennen stattfindet. Top! Was für eine Abwechslung.
Auf der Downhillpassage gebe ich Gas, Vollgas! Meine Uhr zeigt mir bis 22 km/h an. Läuft wie geschmiert. Irgendwann läuft’s aber zu gut… weil die Belastung beim Berg-ab-Laufen brutal für die Oberschenkel ist, merke ich ein leichtes Zwicken. Nicht gut, garnicht gut. So kündigen sich Krämpfe an. Oha, da is schon einer und noch einer. Rechts und links. Quadrizeps nennt er sich, der kräftige Muskel im Oberschenkel  und der macht gerade leicht zu. Kurzer Blick auf die Uhr. Nur noch 7 km, dann ist es geschafft. Also weiterlaufen. Krämpfe kann man auch ignorieren. Quasi weglaufen. Das versuche ich jetzt und reduziere deutlich mein Tempo. Minimalziel nicht in Gefahr. Alles gut. Kurze Pause. Die Krämpfe werden stärker, ich kann nicht mehr laufen. Begebe mich in die Hocke und dehne mich kurz aus. Nur noch 5 km bis zum Ziel… Die ersten Teilnehmer und Teilnehmerinnen überholen mich, wenden mir einen kurzen Blick zu und biegen um die nächste Kurve. Ich kann nicht aufgeben, will nicht aufgeben und wackle weiter. Nun krampfen auch die Wadenmuskeln. Sieht bestimmt lustig aus, wie ich nach drei Schritten in die tiefe Kniebeuge gehe um meine Oberschenkel zu dehnen um danach schlagartig aufzuspringen um meine Waden zu dehnen. Durch das Aufstehen verkrampfen sich aber wiederum meine Oberschenkel… Das Spielchen geht ungefähr 5  Minuten – gefühlt aber eine Ewigkeit.

Weil ich wohl dagesessen bin wie ein Häufchen Elend werde ich gefragt ob ich Hilfe brauche. Ich lehne dankend ab und erzähle schmerzverzerrt von meinen Krämpfen. Mittlerweile werden diese so stark, dass man schön die quergestreiften Muskeln erkennen kann. Ein Läufer kommt vorbei und erkundigt sich. Er fragt mich ob ich Salztabletten  und noch etwas zum runterspülen habe. Salztabletten? Nein, habe ich nicht. Daraufhin gibt er mir gleich zwei und wünscht gute Besserung. Kurz darauf kommt einer, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist. Erkundigt sich und gibt mir ungefragt zwei Sachets mit Magnesium. Ich bedanke mich bei den beiden und spüle das Zeug runter. Ich bin wirklich gerührt von der Hilfsbereitschaft der anderen Läufer(innen) und hätte wohl aufgeben müssen ohne deren Unterstützung. Nach mehreren langen Minuten gehe ich weiter. Tatsächlich schaffe ich es bis zum Kapuzinerberg. Die letzte Herausforderung an diesem Tag. Ich schleppe mich hoch, Stufe für Stufe und bekomme nochmal neuen Wind. Die Krämpfe verschwinden und ich bin happy. Die Downhillpassage laufe ich schon wieder und höre deutlich den Moderator im Ziel. Als ich den Berg bezwungen habe laufe ich den letzten Kilometer nochmal schneller als mir gut tut. Aber das ist mir jetzt scheißegal und ich gebe wieder Gas.  03:30:29.0 steht auf der Uhr. Minimalziel übertroffen – Heimfahrt nicht in Gefahr.

Was bleibt?

  1. Die Erkenntnis, dass die Veranstalter es geschafft haben einen wirklich prachtvollen Lauf auf die Beine zu stellen. Ich komme gedanklich schon wieder ins Schwärmen, während ich das hier schreibe. Die tolle Natur, die phänomenale Strecke und das nette Starterfeld sind schuld dran, dass ich nächstes Jahr wieder starten werde. Ich glaube diesmal auf der 56km Strecke.
  2. Planung ist (fast) alles. Ohne Verpflegung (Salztabletten etc) an den Start zu gehen war fahrlässig. Die Krämpfe eine logische Konsequenz.
  3. Wieder mal „überpaced“ – schönes Wort, hört sich so professionell an – bedeutet aber nichts anderes als dass ich zu schnell gelaufen bin und meine Ausdauer überschätzt habe. Lektion gelernt. Lieber ein bissl langsamer, dafür konstant ins Ziel laufen.
  4. Auch Läufe ohne Hindernisse machen Spaß. So lange sie nicht topfeben und durch die Stadt verlaufen.

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig unterhalten. Ich freue mich wie immer über Kommentare, Fragen und Anregungen. Noch mehr würde ich mich freuen, wenn sich die Zahl der Sonntags-Outdoor-Workoutler noch erhöht und die nächsten Läufe im Team bezwungen werden.

Bis dahin – Stay fit

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.